Wie Max Greger, James Last und Hugo Strasser ist der Geiger Helmut Zacharias (1920–2002) ein magischer Name der Wirtschaftswunderjahre. Damals ging es in der Unterhaltungsmusik äußerst lebendig zu. Die Grenzen von Jazz, Swing, Standardtänzen, Schlagern, exotischer Folklore und Klassik-Arrangements kamen in Bewegung. Als Portfolio einer Ausstellung in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek 2022 lebt die bunte Zeit in dieser Publikation wieder auf. Das Sprunghafte des Bandes ergibt sich aus der liebevollen Achtsamkeit für jeden Fund und jedes Detail.

Der Autor Andreas Jakubczik erweist sich als leidenschaftlicher wie akribischer Sammler, Bewahrer und Spurenleger. Dafür verwendet er die früher gängigen Kategorien Klassik, virtuose leichte Klassik und Jazz. Zudem stellt er Zacharias’ verschiedene Positionen in der jungen Bundesrepublik nebeneinander, etwa die Auswirkungen der schwankenden Urteile des „Jazzpapstes“ Joachim-Ernst Berendt und die Selbstinszenierung Zacharias’ mit seinem Orchester als Reinkarnation des Walzerkönigs Johann Strauss. Die detaillierte Diskografie bestätigt, wie innovativ Zacharias dachte: Der „Zaubergeiger“ nutzte Overdub-Vervielfachungen von Streichern und chorische Vokalisen zur Klangverstärkung. Helmut Zacharias wuchs vom Jazz-Genie zum universellen Unterhaltungsmusiker par excellence. Das umfangreiche Bildmaterial mit zahlreichen Reprints spiegelt diese beispielhafte Karriere in aufschlussreichen Schlaglichtern. Das Revival kann kommen.
Helmut Zacharias. Vom Jazzgeiger zum Weltstar
Andreas Jakubczik
Allitera Verlag, 144 Seiten
24,90 Euro





