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Rezension Jörg Halubek – Bembo: L’Ercole amante

Homogen gestaltet

Antonia Bembos Oper „L’Ercole amante“ wird von Jörg Halubek und Il Gusto Barocco aus dem Dornröschenschlaf geweckt.

vonRoland H. Dippel,

Diese Oper aus dem Jahr 1707 ist nach Kussers „Adonis“ und Heinichens „Flavio Crispo“ ein weiterer wichtiger Baustein in der Reihe von barocken Entdeckungen durch Jörg Halubek und Il Gusto Barocco. Die venezianische Arzttochter Antonia Bembo trennte sich von ihrem gewalttätigen Mann und ging nach Paris, wo die hochgebildete Schülerin von Francesco Cavalli und Barbara Strozzi von König Ludwig XIV. bis zu ihrem Tod eine Rente erhielt. Im Entstehungsjahr 1707 waren das fast 50 Jahre alte Textbuch und vor allem die an einem Formideal des 17. Jahrhunderts orientierte Vertonung Bembos keine guten Voraussetzungen für eine Aufführung. Jörg Halubek und Il Gusto Barocco zeigen diese ästhetische Differenz mit einem weniger fließenden als sprödem Klangbild, in dem das 20-köpfige Orchester aber eine sehr gestische Klangsprache finden will. Vor allem aus den fraulichen Stimmen und der lebendig gestalteten Deklamation spricht in dramatischer Nähe zum Stoff die Zerrissenheit und der Orientierungsverlust. So entstand eine sehr geerdete und dabei homogene Gestaltung des Ausnahmefalls einer familiären, dynastischen und erotischen Verstrickung. Ein sehnig sinnfälliges Totalereignis.

Jörg Halubek
Jörg Halubek

Bembo: L’Ercole amante

Yannick Debus (Ercole), Alena Dantcheva (Deianira), Anita Rosati (Iole), Flore Van Meersche (Giunone), Il Gusto Barocco, Jörg Halubek (Leitung)
cpo

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