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Rezension Ian Bostridge – The Folly of Desire

Magie des Geisterhaften

Tenor Ian Bostridge und Jazzpianist Brad ­Mehldau zelebrieren einzigartig das Kunstlied.

vonEcki Ramón Weber,

Einer der markantesten Liedinterpreten trifft auf einen der profiliertesten Jazzpianisten. Man darf gespannt sein, wenn sich Ian Bostridge und Brad Mehldau zusammentun. Mehldau hat für den Tenor „The ­Folly of Desire“ geschrieben, Varianten der Lust und der leidenschaftlichen Verzückung auf Lyrik von Shakespeare, Blake, Brecht, Goethe, Yeats, Auden und Cummings. Der faszinierende Zyklus ist eine Bereicherung des Repertoires. Bostridge beeindruckt bei seiner Interpretation durch seine direkte, ungekünstelte Herangehensweise. Sein schlanker Tenor hält souverän die Balance zwischen klassischem Lied-, Jazz-, Chansongesang und Great American Songbook. Mehldau gestaltet den Klavierpart mit seinen vielfach gefeierten polystilistischen Kontrapunktkünsten. Auch die Referenzpunkte dieses Zyklus von Franz Schubert bis Porter begeistern: Schuberts „Nacht der Träume“ etwa singt Bostridge wundervoll schwebend, ja jenseitig. Mehldau verstärkt diese Magie des Geisterhaften mit dezenten Rubati im Klavier. Und Cole Porters „Night and Day“ erhält die richtige Doppelbödigkeit aus Übermut und Coolness.

Tenor Ian Bostridge
Tenor Ian Bostridge

The Folly of Desire
Werke von Porter, Schubert, Strachey & Maschwitz, Mann & Hilliard

Ian Bostridge (Tenor), Brad Mehldau (Klavier)
Pentatone

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