Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ ist ein Werk, das in vorzüglichen Signaturaufnahmen vorliegt. Eigentlich ist schon alles gesagt, hat man den Eindruck. Jede neue Aufnahme hat die Schatten von Riesen hinter sich. Das in historisch informierter Aufführungspraxis versierte Orchester Les Siècles und sein Gründer François-Xavier Roth stellen sich der Herausforderung. Der erste Eindruck: Der Klang der Aufnahme ist etwas zu trocken, lässt Weite vermissen. Die Bläser treten sehr ausgeprägt hervor, mitunter knallen die dissonanten Reibungen heraus. Man wünscht sich einen runderen Mischklang. Denn nur dann kann dieser, typisch Mahler, dialektisch aufgebrochen und in Frage gestellt werden. Wenn alles sowieso schon tendenziell aufgeraut ist, wo kann noch das Schroffe erzeugt werden? Die Instrumentalsolisten können bei ihren Einsätzen zudem nicht durchgehend in Intonation und Phrasierung überzeugen, auch nicht im charakteristischen Ausdruck. Teils fehlt die Leichtigkeit, vieles wirkt bemüht. Das gilt auch für die beiden Gesangsolisten Andrew Staples und Marie-Nicole Lemieux. Mahlers prä-existenzialistischer Exotismus wird eher ausgebremst statt inbrünstig ausgespielt.
Mahler: Das Lied von der Erde
Marie-Nicole Lemieux (Alt), Andrew Staples (Tenor), Les Siècles, François-Xavier Roth (Leitung)
harmonia mundi





