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Rezension Cornelius Meister – Hindemith: Cardillac

Opernkrimi in Prachtbesetzung

An der Wiener Staatsoper verleiht Cornelius Meister Hindemiths Künstleroper „Cardillac“ ihren verdienten Glanz.

vonRoland H. Dippel,

Eine kurzweilige Aufnahme mit Pathos und Nervenkitzel. Wie im Fall von Mussorgskis „Boris Godunow“ behauptet sich die knappe Erstfassung von Paul Hindemiths Oper „Cardillac“ frei nach E. T. A. Hoffmanns Novelle „Das Fräulein von Scudieri“ gegen die spätere Erweiterung. Der Livemitschnitt aus der Wiener Staatsoper verdeutlicht, warum dieses inzwischen fast 100 Jahre alte Opus früher verstörte und trotzdem in der Reihe deutscher Künstleropern des 20. Jahrhunderts schnell einen rühmenswerten Platz fand. Cornelius Meister macht in dieser üppigen Lesart alle Hindemith unterstellten Sprödigkeiten vergessen. Die Kollektive der Wiener Staatsoper und das Solistenensemble klingen beim ruppigen Aufbäumen ebenso prachtvoll wie in den erotisierenden Instrumentalsoli und dicht instrumentierten Deklamationsszenen. Wir hören eine wunderbare Vera-Lotte Boecker, Tomasz Koniecznys mit Wotan-Melos aufgeladenen Cardillac und das sich in den kurzen Aufgaben intensiv verausgabende Quintett der anderen Partien. Fast könnte man den Künstlerkrimi für einen Naturalismus-Nachzügler halten.

Hindemith: Cardillac

Tomasz Konieczny (Cardillac), Vera-Lotte Boecker (Tochter), Herbert Lippert (Offizier), Wolfgang Bankl (Goldhändler), Daniel Jenz (Kavalier), Stephanie Houtzeel (Dame), Evgeny Solodovnikov (Führer der Prévôté), Chor der Wiener Staatsoper, Orchester der Wiener Staatsoper, Cornelius Meister (Leitung)
Capriccio

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