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Rezension Víkingur Ólafsson – Opus 109

Samt statt Seide

Víkingur Ólafssons Projekt „Opus 109“ ist hochambitioniert, hinterlässt aber einen zwiespältigen Eindruck.

vonEcki Ramón Weber,

„Opus 109“ heißt die neue CD des isländischen Starpianisten Víkingur Ólafsson. Beethovens Klaviersonate mit dieser Opuszahl steht auch im Zentrum der Einspielung. Dafür hat sich Ólafsson intensiv mit dem Einfluss von Bach auf Beethovens Schaffen auseinandergesetzt. Dementsprechend sind auch einige Werke des Älteren vertreten. Doch auch wenn die New York Times Ólafsson angesichts seiner Interpretation von Bachs „Goldberg-Variationen“ als „den Glenn Gould von Island“ feierte, ist die Lesart der ausgewählten Stücke von Bach diesmal ziemlich eigenwillig. Mit vielen Rubati und Klangschwelgerei wirkt der Bach auf diesem Album mal wie gefühlvoller Chopin, mal wie bravouröser Liszt. Was fließende, transparente Seide sein sollte, wird hier zu dickem Samt. Und der Beethoven, natürlich in untrüglich makelloser, brillanter Spieltechnik umgesetzt, ist mitunter zu sehr auf Effekt gebürstet. Vieles wird übermäßig ausgestaltet, so dass ein einheitlich dramaturgischer Zug ins Hintertreffen gerät. Die Klaviersonate von Schubert auf dem Album ist in ihrer Vielschichtigkeit zwischen Zartheit, Kantabilität und mal expressiven, mal lebhaften Ausbrüchen hingegen wunderbar.

Opus 109
J. S. Bach: Präludium E-Dur BWV 854, Partita Nr. 6 e-Moll BWV 830 & Sarabande aus Französiche Suite Nr. 6 E-Dur BWV 817, Beethoven: Klaviersonaten Nr. 27 e-Moll op. 90 & Nr. 30 E-Dur op. 109, Schubert: Klaviersonate e-Moll D 566

Víkingur Ólafsson (Klavier)
Deutsche Grammophon

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