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Rezension Michael Sanderling – Mozart: Requiem

Dramatik und Leidenschaft

Ausdrucksstark führt Michael Sanderling das Luzerner Sinfonieorchester und ein hervorrgendes Solistenquartett durch Mozarts „Requiem“.

vonEcki Ramón Weber,

Michael Sanderling nimmt Mozarts „Requiem“ etwas flotter als viele seiner Kollegen. Überhaupt unterstreicht er das Dramatische, zielt auf Kontraste. Das bekommt diesem Werk des Opernkomponisten Mozart sehr gut: Die Farben glühen, die Einsätze des Luzerner Sinfonieorchesters sind dynamisch und energisch, die Details feingliedrig, die Steigerungen wuchtig. Der Rundfunkchor Berlin transportiert ausdrucksstark die menschliche Betroffenheit in dieser Totenmesse, die Fugen sind geschliffen, das „Dies Irae“ zeigt geradezu Panik vor dem Zorn Gottes. Die Vokalsolisten glänzen alle jeweils mit starkem Charakter, kompakt gestaffelt im „Tuba mirum“. Im „Recordare“ sind sie so emotional wie ein Opernensemble. Selten kam diese Musik einem so nah. In derselben Besetzung hat Fazıl Say 2024 „Mozart ve Mevlana“ geschrieben und die Längsflöte Nay sowie die Doppelpauke Kudüm aus der türkischen Musiktradition hinzugefügt. „Mevlana“ („unser Meister“) ist eine alte Ehrenbezeichnung für den Sufi-Mystiker und Dichter Rumi. Say hat zwei Gedichte Rumis für sein Stück ausgewählt und verschmilzt in der Musik Paraphrasen aus Mozarts „Requiem“, Elemente aus türkischer Tradition und Idiome der Moderne. Ein leidenschaftliches, berührendes Werk, grandios interpretiert.

Mozart: Requiem d-Moll KV 626, Say: Mozart ve Mevlana op. 110

Fatma Said (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran), Pene Pati (Tenor), Alexandros Stavrakakis (Bass), Rundfunkchor Berlin, Luzerner Sinfonieorchester, Michael Sanderling (Leitung)
Warner Classics

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