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Rezension Lise Davidsen – Live at the MET

Sopran-Fluten und Applauspower

In einem Recital an der Metropolitan Opera imponiert Lise Davidsen mit ihren schier unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

vonRoland H. Dippel,

Vier Jahre nach ihrem Debüt wurde Lise Davidsen im Jahr 2023 in der Met mit einem Recital geehrt. Eine solche Veranstaltung ist definitiv kein Liederabend mit thematischen Klammern, sondern ein Ritt durch möglichst viele vokale Nischen, Wohlfühlzonen und Glamourräume des auftretenden Stars. Lise Davidsen macht von ihren an Lautstärke unerschöpflichen Möglichkeiten mit einer imponierenden Angebotsbreite von „Csárdásfürstin“ bis „My Fair Lady“ Gebrauch. In der Arie Amelias aus „Ein Maskenball“, einem eher introvertierten Stück mit fragenden und zagenden Akzenten, übertrifft sich die norwegische Glanzstimme selbst. Dieses Solo gelingt wunderbar, nachdem sie die berühmte „Tosca“-Arie „Vissi d’arte“ wie später Elisabeths Hallenarie aus „Tannhäuser“ mit sportiver Inbrunst, phänomenalen Höhenstrahlen und unauslöschlichem Jubelfeuer in die Herzen ihrer nicht minder lautstark jubelnden Fans schießt. Davidsen gestaltet mit gleicher Energie Lieder von Richard Strauss, Jean Sibelius und Edvard Grieg. Sie flutet Schuberts „Gretchen am Spinnrad“ mit dramatischer Rekord-Intensität. Am Flügel unternimmt James Baillieu alles, um bei Davidsens Forte-Kaskaden mitzuhalten, und hat stellenweise Erfolg damit.

Live at the MET
Werke von Puccini, Verdi, Wagner, R. Strauss, Sibelius, Schubert, Grieg u. a.

Lise Davidsen (Sopran), James Baillieu (Klavier)
Decca

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