Startseite » Rezensionen » Eigener Weg ins Geheimnis

CD-Rezension Lars Vogt

Eigener Weg ins Geheimnis

Lars Vogt setzt sich erstmals mit der Musik Frédéric Chopins auf CD auseinander

vonChristoph Vratz,

Jetzt, endlich, hat er es gewagt. Erstmals hat Lars Vogt Werke von Frédéric Chopin aufgenommen. Vogt zählt nicht zu den Pianisten, die im Halbjahres-Rhythmus eine CD dem Markt zuführen, um den eigenen Popularitätsstatus zu untermauern. Er lässt sich nicht von den Trieben des Marktes pushen. Das merkt man seiner neuen Aufnahme jederzeit an. Vogt wählt einen eigenen Weg, fernab der berauschenden Virtuosität eines Horowitz oder der majestätischen Würde eines Rubinstein. Dieser Chopin klingt anders, so teilweise noch nicht gehört: intimer, versonnener, weltenferner. Ob in der g-Moll-Ballade, im Molto più lento des ersten Scherzos, im Trio des Trauermarsches aus der zweiten Sonate oder in den sechs ausgewählten Nocturnes – Vogt dringt in die Welt der Pianissimi, der gesungenen Melodien, der verborgenen Geheimnisse vor. Ständig wechselt er die Beleuchtung, seine Regie ist so diskret, wie man es von Chopins dichter Textur kaum erwarten würde. Geschwindigkeitsrekorde und der ganze klirrende Zauber interessieren Vogt nicht, dafür dringt er mit einer Lust am reinen Klang bis zum poetischen Kern vor.

Chopin: Ballade Nr. 1, Scherzo Nr. 1, Sonate
Nr. 2, Nocturnes op. 9
Nr. 1 & 2, op. 27 Nr. 1 & 2

Lars Vogt (Klavier)
CAvi-music

Auch interessant

Rezensionen

Aktuelle Rezensionen

  • „Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“
    Interview Joshua Bell

    „Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“

    Seit 2011 leitet Joshua Bell die Academy of St Martin in the Fields. Sein Violinspiel liegt in zahlreichen Aufnahmen vor – und in 20 000 digitalen Samples.

Klassik in Ihrer Stadt

Anzeige

Audio der Woche

Gabriel Meyer präsentiert „Before I Knew“

Der Zürcher Pianist Gabriel Meyer veröffentlichte am 19. Dezember 2025 seine zweite Single „Before I Knew“. Das Stück setzt den mit dem Debüt begonnenen Weg fort und ist Teil des Albums „Remember“, das im Mai 2026 erscheint.

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!