Die Live-Aufnahme aus dem Dom zu Speyer vom Mai 1997 ist ein imponierendes Tondokument aus den Jahren, in denen das Badische Staatstheater und der gesamte Kulturraum Baden das Musikschaffen des Nachbarlands besonders intensiv kultivierten. Drei Ausnahmekünstler sind beteiligt: Françoise Pollet, die zutiefst eindringliche Sopranistin, mit ihr der für seine intensive Darstellung in „Pelléas et Mélisande“ und neuen Opern gerühmten Bariton François Le Roux sowie der über Jahrzehnte hymnisch gefeierte Dirigent Georges Prêtre. Trotzdem entstanden keine „typischen“ Aufnahmen der beiden berühmten Sakralwerke. Prêtre machte die zerklüftete Entstehung von Faurés berühmtem „Requiem“ hörbar. Seine immense Poulenc-Kompetenz übertrug er kongenial auf das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, das durch Dirigent Gianluigi Gelmetti damals seine Belcanto-Affinität entdeckt hatte. Eine Klasse für sich sind auch die beiden Chöre mit Sensibilität für Faurés milde Melodik, aber auch dessen Monumentalität und Poulencs artifizielle, dabei zutiefst ernste Verspieltheit in Glaubensfragen. Le Roux’ balsamische Dramatik in Faurés „Libera me“ und der fragende Fluss des folgenden Chors sind einer der exemplarischen Höhepunkte des Albums.
Fauré: Requiem op. 48, Poulenc: Gloria
Françoise Pollet (Sopran), François Le Roux (Bariton), Südfunk-Chor, Chor der Württembergischen Staatstheater Stuttgrt, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Georges Prêtre (Leitung)
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