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Rezension Alexander Malofeev – Forgotten Melodies

Russische Seelentiefe

Melancholie und stille Sehnsucht ziehen sich wie ein roter Faden durch das Doppelalbum des jungen Pianisten Alexander Malofeev.

vonPatrick Erb,

Michail Glinka, Nikolai Medtner, Sergei Rachmaninow und Alexander Glasunow. Alexander Malofeev bestreitet sein Sony-Debüt mit vier Komponisten, die mit dem jungen, gefeierten Pianisten mehr verbindet als nur die nationale Herkunft. Alle wurden in Russland geboren und verbrachten aus ganz unterschiedlichen Gründen prägende Jahre im Exil. Melancholie und stille Sehnsucht durchziehen dieses Doppelalbum wie ein Grundmotiv. Glinka, der in Berlin starb, begegnet uns hier in Balakirews virtuoser Transkription der naturrührigen „Lerche“ ebenso wie in introvertierten Tanzreminiszenzen. Malofeev versteht es, nüchterne Kälte und unaufgeregtes Erzählen in Balance zu halten. Noch deutlicher zeigt sich diese Haltung in den gläsernen Melodien Medtners, der später in London wirkte. Um 1920 entstanden – inmitten politischer Wirren –, treffen hier musikalische Genremalerei und scheinbar unbeschwerte Folklore aufeinander. In der luziden, klarsichtigen Spielweise des Pianisten wird dieser Abschnitt zum vielleicht stärksten Teil des Albums. Auch Glinkas naturidyllische Miniaturen fügen sich stimmig in dieses fein ausgehörte Stimmungsbild eines mustergültigen Gemütsspiegels. Das eigentliche Zentrum aber ist Rachmaninow: Prélude, Élégie und vor allem die zweite Klaviersonate erreichen komplexere Sphären und entfalten eine emotionale Wucht, die nachhallt. Manchmal ist ein Klischeebild einer Kulturnation eben doch das treffendste. Wer die russischen Seelentiefe nicht erdrückend findet, kann mit diesem Album zu einer sehr eigenen inneren Winterreise aufbrechen.

Forgotten Melodies
Werke von Glinka, Medtner, Rachmaninow & Glasunow

Alexander Malofeev (Klavier)
Sony Classical

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