Für die nun anstehende Tournee des Konzerthausorchesters Berlin mit Beethovens drittem Klavierkonzert und Mahlers fünfter Sinfonie könnte sich die Dirigentin Joana Mallwitz für das Solokonzert wohl auch selbst an den Flügel setzen. Denn vom dritten bis zum dreizehnten Lebensjahr verbrachte die gebürtige Hildesheimerin nahezu ihre gesamte Freizeit am Klavier – das obligatorische Spielverbot der Eltern, nach dem sie täglich von 15 bis 18 Uhr im Garten auszuharren hatte, nicht mitgerechnet. Auch Violine, so erzählt Mallwitz, habe sie über längere Zeit gespielt; ansonsten aber sei sie, wie sie stets versichert, ein ganz gewöhnliches Kind gewesen, das zur Schule geht und sich mit Freunden trifft.
Glücklicherweise stieß die dreizehnjährige Musikbegeisterte dann in einer Zeitungsannonce auf das Institut zur Frühförderung in Hannover. Mit großer Neugier und ohne genau zu wissen, was sie dort eigentlich erwartete, setzte sich Mallwitz in den Zug in die Nachbarstadt, wo sich ihr eine völlig neue Welt der Sinfonik, der großen Oper und des Partiturlesens eröffnete. Fortan verbrachte sie viele Wochenenden an diesem Institut, und für Mallwitz, die sich ein Leben als Konzertpianistin ganz und gar nicht vorstellen konnte, war klar: Das Dirigieren ist ihre Berufung.
So kann Alice Sara Ott, die als Residenzkünstlerin des Konzerthauses einen ähnlich guten Draht zum Orchester hat, bei Beethoven unbesorgt in die Tasten greifen, während die frisch gebackene Chefdirigentin am Pult ihrer Bestimmung folgt. Vielleicht aber erweist sich Mahlers Fünfte, die zu Lebzeiten des Komponisten auf viel Unverständnis stieß und seine Zeitgenossen regelrecht überforderte, noch als der weitaus bessere Gradmesser für dirigentische Leidenschaft.




