Blutig ging es zu im Pariser Théâtre du Grand-Guignol, wo seit Ende des 19. Jahrhunderts nach Lust und Laune und in oft grotesker Übertreibung gefoltert, gemetzelt und gemordet wurde. Schrecken und Komik gaben sich hier die Hand, bis das Theater 1962 seine Pfoten für immer schloss. Hätte man damals für möglich gehalten, dass ausgerechnet an der Staatsoper Hamburg die Tradition des gepflegten Horrors als „zeitgenössisches Grand Guignol“ wiederbelebt werden würde? Dank der Komponistin Olga Neuwirth und der Schriftstellerin Elfriede Jelinek wird das Opernhaus nun zum „Monster’s Paradise“. Das aber natürlich nicht allein, um wirkungsvolle Schockeffekte abzusondern. Eine brandheiße Politgroteske bringt der neue Intendant Tobias Kratzer mit diesem Auftragswerk auf die Bühne. Während Neuwirth und Jelinek zwei weibliche Vampire als Avatare ihrer selbst auftreten lassen, kämpft ein tyrannischer König mit dem von ihm selbst heraufbeschworenen Seemonster Gorgonzilla um die Macht. Die Idee: Monströse Autokraten lassen sich nur mit Monstern bekämpfen. Welcher „König“ hier gemeint sein könnte? Sie kommen vielleicht selber drauf.
Neuwirth: Monster’s Paradise
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