In Dortmund war man etwas schneller. Doch Oper ist kein Wettrennen, und eine seltene Perle auf den Bühnen dieser Welt ist Gaetano Donizettis „Caterina Cornaro“ allemal. Fünfzig Jahre nach ihrer Wiederentdeckung kam die „lyrische Tragödie“ im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ zur deutschen Erstaufführung, fünf Monate später kann man das fast vergessene Belcanto-Juwel nun auch in Gießen genießen. Es erzählt die Geschichte der historischen Figur Caterina Cornaro, die im 15. Jahrhundert Zyperns letzte Königin war. In dieses Amt wurde sie vom venezianischen Rat der Zehn hineingezwungen – so will es Giacomo Sacceros Libretto, das seiner Titelheldin einiges zumutet. Caterina muss ihre anstehende Liebeshochzeit abblasen, um den Machtinteressen der Regierung zu genügen. Sie heiratet den Inselkönig, der allerdings bald das Zeitliche segnet. Nach all den Schicksalsschlägen flüchtet sich Caterina jedoch nicht in den Wahnsinn, wie es für eine Belcanto-Heldin typisch wäre, sondern rüstet sich für ihr Amt als Herrscherin. Für die starke Frau schrieb Donizetti eine starke Musik. In den kämpferischen Passagen trumpft das Orchester martialisch auf.
Donizetti: Caterina Cornaro
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