„Zu wenig weiblich“, so lästerte die zeitgenössische Kritik, klänge die Violinsonate von Ethel Smyth. Tatsächlich atmet das komplex strukturierte Werk der britischen Komponistin den Einfluss ihres Vorbilds Johannes Brahms, ist also eher grüblerisch als von vordergründig „weiblicher“ Melodienseligkeit geprägt. Die Geigerin Liv Migdal spielt Smyths Werk bar jeglicher klischeehaften Vorprägungen und folgt mit schlanker, differenzierter Tongebung seinen motivischen Verästelungen in feinster Abstimmung mit dem Pianisten Mario Häring. Auch dramaturgisch ist dieses Album von Interesse, war doch Ethel Smyth eng befreundet mit der Geigerin Amanda Maier. Deren folkloristisch inspirierte „Sechs Stücke für Violine und Klavier“ musiziert Migdal ebenso mitreißend und inspiriert wie die zweite Violinsonate jenes Edvard Grieg, den Smyth während ihrer Studienzeit in Leipzig im Kreis von Robert Schumann ebenfalls kennengelernt hat.
Smyth: Violinsonate a-Moll op. 7, Maier: Sechs Stücke für Violine & Klavier, Grieg: Violinsonate Nr. 2 G-Dur op. 13
Liv Migdal (Violine), Mario Häring (Klavier)
Hänssler



