Am Anfang steht ein sanft angeschlagenes tiefes „d“. Es folgt ein Mordent, allmählich wird der einzelne Ton in barocktypischer Manier umspielt, eine erste Bassnote erklingt. Weitere Verzierungen folgen behutsam. Mit wenigen Mitteln erschuf Louis Couperin in seinem Prélude aus der Cembalosuite d-Moll ein Klanggebilde, das fasziniert. Jean Rondeau eröffnet damit seine Gesamtaufnahme, die dank ihrer detektivischen Präzision, der stupenden Expertise für die strengen Formen und der grundlegenden Unaufgeregtheit des Interpreten von der ersten Minute an einen Sog entfaltet, dem man sich nicht entziehen möchte. Insgesamt zwölf Stunden Musik mit rund 200 Werken überwiegend für Cembalo und Orgel hat Louis Couperin hinterlassen, der lediglich 35 Jahre alt wurde und nur knapp ein Jahrzehnt musikalisch aktiv war. Mystisches, Virtuoses und Tänzerisches findet sich in seinem Œuvre ebenso wie lebensfrohe und zu Tode betrübte Stücke.
Rondeau wählte für sein Mammutprojekt fünf historisch erhaltene bzw. nach zeitgenössischen Vorbildern nachgebaute Cembali sowie zwei französische Barockorgeln und verzichtete größtenteils auf künstliche Verstärkung. Das Ergebnis ist purer Genuss und verdient das Etikett „authentisch“. Werke von Couperins Förderer Jacques Champion de Chambonnières und Zeitgenossen wie dem Organisten Guillaume-Gabriel Nivers und dem Gambenvirtuosen Marin Marais vervollständigen das musikalische Panorama Frankreichs im 17. Jahrhundert. Zur Seite stehen Rondeau das arrivierte Ricercar Consort und weitere Spezialisten aus der gegenwärtigen französischen Alte-Musik-Szene. Ein makelloser Lückenschluss, nicht nur für passionierte Hörer von Barockmusik.
L. Couperin: Sämtliche Werke
Jean Rondeau (Cembalo & Orgel), Ricercar Consort u. a.
Erato




