Auch wenn dieser Satz klischeehaft wirken mag: Der autofiktionale Debütroman der Dirigentin Graziella Contratto, in dem sie Einblicke in ihre Jugend in der Schweizer Gemeinde Schwyz gewährt, steckt voller Klang. Da ist etwa die Maiandacht zu Beginn des Buches. Der Pfarrhelfer, der die Predigt hält, fügt wichtigen Wörtern einen gewissen Hauch hinzu, die Schritte der Kinder, die in die Kapelle eilen, hören sich an wie das Rattern der Nähmaschine der Mutter, die Freundin niest und lässt ihren Geigenkasten fallen, woraufhin es durch den Kapellenraum dröhnt. So geht es auch im weiteren Verlauf des Romans weiter. Immer wieder spürt das Mädchen, das eine begabte Geigenschülerin, aber auch eine Poetin ist, einzelnen Worten nach und bringt sie miteinander in Verbindung.
So setzt eine Assoziation die nächste frei, bis es an einem zuvor verlassenen Ausgangspunkt wieder weitergeht. Die 1966 geborene Autorin lässt die Gedanken des Mädchens frei fliegen, es ist nicht einfach, beim Lesen den Faden zu behalten. Wenn man sich Zeit nimmt, wird man aber belohnt. „Meitsch“ ist zum einen ein persönlicher Einblick in eine vergangene Welt in den Schweizer Bergen. Familiärer Alltag, jugendliche Sorgen und Freuden treffen auf Brauchtum und christliche Traditionen, eingebettet in eine raue Landschaft. Zum anderen ist die Perspektive dieser sensiblen und humorvollen jungen Musikerin inspirierend. Vieles aus der Welt der Musik, das sie entdeckt und originell beschreibt, lohnt sich, selbst noch weiter zu entdecken.

Meitsch
Graziella Contratto
Atlantis, 176 Seiten
22 Euro






