Als elegante Küstenstadt an der italienischen Adriaküste verbindet Pesaro sommerliche Leichtigkeit mit gewachsener Kulturtradition. Zwischen Strandpromenade, historischer Altstadt und entspannten Piazzas entfaltet sich ein ruhiger, unaufgeregter Charme jenseits der touristischen Metropolen. Allgegenwärtig in Pesaro bleibt vor allem die Erinnerung an Gioachino Rossini, dessen Geburtsstadt bis heute von Musik durchzogen ist – und sich gerade im Sommer in einen ebenso gelassenen wie lebendigen Treffpunkt für Opernfreunde verwandelt. Ein Besuch der knapp 100.000 Einwohner zählenden Stadt ist immer lohnenswert, insbesondere aber während des Rossini Opera Festivals (ROF), das 2026 vom 11. bis zum 23. August stattfindet.
Eröffnungsproduktion mit berühmtem Regisseur
Eine Spezialität des ROF ist es, die in den Tiefen der Musikgeschichte verborgenen Raritäten aus dem Opernschatz Rossinis zu heben – mit prominenter Unterstützung: So startet das Festival in seine 47. Ausgabe mit „Le Siège de Corinthe“, einer späten Umarbeitung des bereits 1820 erschienenen „Maometto II“. Rossini thematisiert in seinem Werk mit Mitteln der französischen Tragédie lyrique die Belagerung der griechischen Stadt Korinth durch die Osmanen im Jahr 1458. Meisterhaft gelingt es ihm dabei, historische Begebenheiten in eine nationenübergreifende, versöhnliche Liebesgeschichte um Pamyra, die Tochter des griechischen Verteidigers, und Sultan Mahomet zu verweben.
Regie führt Davide Livermore, der von Mailand bis Baden-Baden für bildgewaltige Inszenierungen bekannt ist und im modernen Auditorium Scavolini auf ein progressives Konzept zurückgreifen wird. Es spielt das Orchestra del Teatro Comunale di Bologna unter der musikalischen Leitung des versierten Rossini-Spezialisten Carlo Rizzi; die Hauptrollen singen Adrian Sâmpetrean und Vasilisa Berzhanskaya. Vorstellungen finden am 11., 14., 17. und 21. August statt.

Rossini für Spezialisten
Ein zentraler Pfeiler des ROF ist zudem die Pflege liebgewonnener Klassiker aus dem langjährigen Festivalerbe. So erlebt Rossinis berühmte Farsa „L’occasione fa il ladro“ (dt. „Gelegenheit macht Diebe“), erstmals 1987 in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle zu erleben, am 12. August im Teatro Rossini zu Recht ihr Comeback. Regie-Urgestein Sonja Frisell überarbeitet dabei die Inszenierung von Rossinis heiterem Verwirrspiel. Weitere Vorstellungen gibt es am 15., 18. und 20. August. Ebenfalls kehrt „La scala di seta“ (dt. „Die seidene Leiter“) ins Teatro Rossini zurück. Regie in der seit 2009 im Repertoire des ROF befindlichen Farsa führte Damiano Michieletto, der seine internationale Karriere 2004 in Pesaro begann und seitdem zu den vielbeachteten Regisseuren weltweit zählt. Vorstellungen gibt es am 13., 16., 19. und 22. August; es dirigiert Iván López-Reynoso, der dem ROF seit seinem Debüt 2014 verbunden ist.
Die Stars von Morgen
Schließlich bietet die mittlerweile fast ikonisch gewordene späte Oper „Il viaggio a Reims“, die eine illustre europäische Reisegesellschaft auf dem Weg zur Krönung Karls X. persifliert, eine hervorragende Möglichkeit, den Opernnachwuchs aus der Accademia Rossiniana „Alberto Zedda“ kennenzulernen. Die erfolgreiche Produktion von Emilio Sagi erlebt ihre Wiederaufnahme unter der Leitung von Sieva Borzak in zwei Matineen am 16. und 19. August; zudem wird das Ereignis auf dem Streaming-Portal OperaVision kostenfrei übertragen.

Galakonzert zum Jubiläum
Der peruanisch-österreichische Tenor Juan Diego Flórez zählt heute zu den prägenden Stimmen seines Fachs. Das Repertoire seiner Klangfarben reicht von lyrischen bis zu dramatischen Partien; mühelos changiert der Kammersänger der Wiener Staatsoper zwischen warmem, rundem und hellem, klar geführtem Timbre. Das Jubiläumskonzert „Flórez 30“ würdigt am 18. August das 30-jährige Jubiläum seines ROF-Debüts mit einem festlichen Galaprogramm: Es erklingen Arien und Chor-Highlights von Massenet, Gounod, Offenbach, Donizetti, Verdi – und natürlich Rossini. Am Pult des Orchestra del Teatro Comunale di Bologna ist Guillermo García Calvo zu erleben. Auch der Gitarrist Eugenio Della Chiara, dem ROF-Publikum bereits bekannt, präsentiert in seinem Programm „Rossinimania“ erneut seine persönliche Hommage an den Komponisten (15. August). Ergänzend dazu bilden Liedrezitals zur Mittagszeit, die Rossinis umfangreiches Belcanto-Repertoire jenseits der Oper beleuchten, weitere Eckpfeiler. Die Konzerte im Teatro Rossini finden am 14., 17., 20. und 22. August statt.
Würdevoller Festivalabschluss
Fast selbstverständlich gehört das Festivalfinale am 23. August der geistlichen Musik, ein Feld, in dem sich Rossini in ausgewählten, hochkonzentrierten Kompositionen ebenfalls hervorgetan hat. In diesem Jahr erklingt im Auditorium Scavolini das „Stabat Mater“, das erst nach seiner produktiven Opernkarriere entstand, als Rossini das Komponieren eigentlich längst aufgegeben hatte und darin neue musikalische Impulse verarbeitete. Dirigent Domingo Hindoyan leitet das Orchestra del Teatro Comunale di Bologna sowie den Coro del Teatro Ventidio Basso. Als Solisten singen Vasilisa Berzhanskaya, Anna-Doris Capitelli, Dmitry Korchak und Adrian Sâmpetrean.

