Vierzig Jahre Kissinger Sommer sind vierzig Sommer, in denen ein Kurort zum kulturellen Experimentierfeld reifte. 1986 lag Bad Kissingen noch im Schatten der innerdeutschen Grenze, der Eiserne Vorhang kappte gewachsene Verbindungen nach Osten und kulturelle Kontaktpflege gestaltete sich schwierig. Dass ausgerechnet unter dem spröden Stichwort „Zonenrandförderung“ ein Aufbruch begann, wirkt heute fast paradox. Oberbürgermeister Georg Straus suchte nach Impulsen für Stadt und Hotellerie und legte den Grundstein für ein Festival, das rasch Profil gewann.
Aus der pragmatischen Idee wurde ein künstlerisches Konzept: kurze Wege zwischen Regentenbau und Kurtheater, Programme mit thematischen Spannungsbogen statt bloßer Abfolge. Gegenwartsmusik erhielt ebenso Raum wie Nachwuchsförderung – etwa durch Liederwerkstatt und Kissinger Klavierolymp. Niedrigschwellige Formate öffnen das Geschehen in die Stadt hinein, wenn Profis und Amateure gemeinsam musizieren oder Prélude-Konzerte den öffentlichen Raum bespielen. Dass aktuelle Festivalmotto „Mazel Tov“ ist mehr als ein Gruß. Es ist ein bewusstes Erinnern an die jüdische Geschichte in Bad Kissingen und an die Brüche Europas. Nach Umbrüchen, Intendantenwechseln und Pandemie steht dieses Jubiläum für etwas Seltenes: Kontinuität.

