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„Mein Anliegen war und ist es, diese Exzellenz zu bewahren und zugleich neue Türen zu öffnen“

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Kissinger Sommer 2026

Womit im Jahr 1986 keiner gerechnet hat, wird 2026 Realität: Der Kissinger Sommer feiert sein vierzigjähriges Bestehen mit Künstlerfreunden der ersten Stunde, frischen wie individuellen Programmen – und Musikern aus dem gesamten Freistaat Bayern.

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Alexander Steinbeis möchte den Kissinger Sommer während seiner Intendanz gleichermaßen als identitätsstiftendes Ereignis für die Stadt wie als international beachtetes Festivalprofil weiterentwickeln.

Sie feiern dieses Jahr vierzig Jahre Kissinger Sommer. Was wird dieses Jahr besonders?

Alexander Steinbeis: Vierzig Jahre Kissinger Sommer sind für uns kein Anlass zur Nostalgie, sondern zur Vergewisserung und zum Aufbruch zugleich. Wir feiern die Geschichte des Festivals mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, die uns über Jahrzehnte begleitet haben, und verbinden das mit einem attraktiven, immer wieder auch überraschenden Programm. Dabei spielen Abende mit den gefeierten Orchestern ebenso eine Rolle, wie kammermusikalische Sternstunden und Rezitals. Das Jubiläum blickt bewusst zurück – aber genauso entschieden nach vorne. Wir fragen: Was bleibt? Und was kommt als Nächstes?

Unter dem Festivalmotto „Mazel Tov“ wollen Sie die jüdischen Wurzeln Bad Kissingens betonen. Warum ist Ihnen das wichtig?

Steinbeis: In Bad Kissingen war über viele Jahrhunderte eine der bedeutendsten und größten Jüdischen Gemeinden Bayerns ansässig. Vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert hat unser Kurort auch zahlreiche jüdischen Gäste aus ganz Europa empfangen. Diese Geschichte gehört untrennbar zur Identität der Stadt. Mit dem Motto „Mazel Tov“ möchten wir daran erinnern – würdig, selbstbewusst und mit einem positiven, lebensbejahenden Akzent. Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben in Deutschland wieder unter Druck gerät, ist es mir wichtig, kulturelle Kontinuitäten sichtbar zu machen.  

Auf welche Weise wird das Jüdische im Festivalprogramm spürbar, über die Wiederentdeckung jüdischer Komponisten hinaus?

Steinbeis: Das Jüdische ist bei uns kein isolierter Programmschwerpunkt, sondern ein roter Faden, der sich durch das gesamte Festival zieht – mal sehr präsent, mal eher subtil. Werke von Komponistinnen und Komponisten mit jüdischen Wurzeln begegnen dem Publikum in unterschiedlichsten Kontexten. Hinzu kommen Chansonabende mit Künstlerinnen wie Dagmar Manzel, Meret Becker, Sharon Brauner mit jiddischen Evergreens oder Katharine Mehrling, die die jüdisch geprägte Berliner Musiktradition lebendig werden lassen. Unsere Jazzformate erweitern wir um Klezmer-Programme, die diese Klangwelt in einen zeitgenössischen Dialog stellen. Darüber hinaus bieten wir zum Beispiel auch Stadtführungen „Auf jüdischen Spuren durch Bad Kissingen“ an.  So entsteht ein vielschichtiges Panorama.

Seit 2021 sind Sie Intendant des Kissinger Sommers. Wie hat sich das Festival in dieser Zeit entwickelt?

Steinbeis: Der Kissinger Sommer zählt seit jeher zu den bedeutendsten Klassikfestivals Europas. Mein Anliegen war und ist es, diese Exzellenz zu bewahren und zugleich neue Türen zu öffnen. Mit Formaten wie den Prélude-Konzerten, dem Symphonic Mob oder Late-Night-Programmen sprechen wir gezielt neues Publikum an. Wir setzen auf niedrigschwellige Angebote ebenso wie auf künstlerische Spitzenleistungen. Das Festival ist damit noch offener, dialogischer und in der Stadt noch präsenter geworden – ohne seinen künstlerischen Anspruch zu verlieren.

Mit Blick auf das runde fünfzigste Jubiläum: Wohin soll sich der Kissinger Sommer entwickeln?

Steinbeis: Ich wünsche mir, dass der Kissinger Sommer seine internationale Strahlkraft weiter ausbaut und zugleich noch stärker in der Stadtgesellschaft verankert ist. Künstlerische Exzellenz und gesellschaftliche Relevanz dürfen kein Gegensatz sein. Wir werden weiterhin thematisch denken, neugierig bleiben und große Tradition mit neuen Formaten verbinden. Zum fünfzigsten Jubiläum soll das Festival nicht nur älter, sondern auch mutiger, vielfältiger und vielleicht sogar noch überraschender sein als heute.

Angenommen, Sie verfügten über völlige Gestaltungsfreiheit – welches Projekt würden Sie als Erstes umsetzen?

Steinbeis: Ich würde ein groß angelegtes spartenübergreifendes Projekt initiieren, das Musik, Theater, Literatur und digitale Kunst verbindet und sich über mehrere Wochen durch die gesamte Stadt zieht – ein Festival im Festival. Künstlerinnen und Künstler würden nicht nur auftreten, sondern vor Ort arbeiten, recherchieren, mit Bürgerinnen und Bürgern kooperieren. Bad Kissingen selbst würde zur Bühne. Ein solches Projekt könnte zeigen, was kulturelle Teilhabe im 21. Jahrhundert bedeuten kann – ambitioniert, international und zugleich tief lokal verwurzelt.

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