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Wo einst der Adel die Sommerfrische genoss

Kissinger Sommer 2026

Womit im Jahr 1986 keiner gerechnet hat, wird 2026 Realität: Der Kissinger Sommer feiert sein vierzigjähriges Bestehen mit Künstlerfreunden der ersten Stunde, frischen wie individuellen Programmen – und Musikern aus dem gesamten Freistaat Bayern.

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Der Kissinger Sommer feiert in diesem Jahr seinen lang erwarteten vierzigsten Geburtstag und beschenkt sich und sein Publikum nicht nur mit fünf Wochen sorgfältig kuratierter Konzertprogramme, sondern gönnt allen Festivalfans eine zusätzliche Jubiläumswoche. So wird die Kurstadt an der Fränkischen Saale für volle sechs Wochen zum leuchtenden Zentrum der Musik: zwischen erlesener Klassik, spritzigem Jazz und genussvoller Varietékunst.

Noch vor der offiziellen Eröffnung entfacht Starlautenist Avi Avital gemeinsam mit der Italo-Folksängerin Alessia Tondo ein italienisches Vorglühen zwischen Canzonen, Tänzen und Volksliedern aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen (11.6.), ehe Iván Fischer mit seinem 1983 gegründeten Budapest Festival Orchestra den um eine Jubiläumswoche erweiterten, sechswöchigen Festivalreigen festlich eröffnet: mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll, Schumanns „Rheinischer“ Sinfonie und Prokofjews seltener Ouvertüre über hebräische Themen, die einen ersten Ausblick auf das zentrale Festivalthema „Jüdische Einflüsse in Bad Kissingen“ gibt. Den Solopart übernimmt Elisabeth Leonskaja, die bereits bei der Erstausgabe 1986 in Bad Kissingen zu Gast war (12.6.).

Anne-Sophie Mutter zählt zu den absoluten Klassikstars, die immer wieder gerne nach Bad Kissingen kommen
Anne-Sophie Mutter zählt zu den absoluten Klassikstars, die immer wieder gerne nach Bad Kissingen kommen

Jede Woche ein eigenes Festival

Beim Kissinger Sommer bleibt nichts dem Zufall überlassen; jede Woche setzt eigene künstlerische Akzente und Residenzen. Ein Klaviertrio um Lena Neudauer eröffnet das Festival mit Werken von Weinberg, Schostakowitsch und Schubert (13.6.) – Komponisten, die auf je eigene Weise Außenseiter waren und ihren inneren Seelenlandschaften Ausdruck verliehen. Am Abend widmen sich Iván Fischer und das Budapest Festival Orchestra der deutsch-österreichischen Klassiktradition; mit Julia Fischer erklingen Beethovens Violinkonzert und Brahms’ zweite Sinfonie. Ein weiteres Highlight ist die nächtliche Varieté-Burlesque-Revue im Kurtheater: Unter der Ägide von Szenegröße Sheila Wolf begegnen sich Musik, Tanz, Artistik und Vaudeville. Anne-Sophie Mutter, die 2026 ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum feiert, reist mit Violinkonzerten von Mozart und André Previn sowie mit „Likoo“, einem Solo der iranischen Komponistin Aftab Darvish, an.

Festivalmotto „Mazel Tov“

Die zweite Woche steht ganz im Zeichen des hebräischen und jiddischen Glückwunsches „Mazel Tov“, mit dem der Kissinger Sommer auf vierzig erfolgreiche Jahre zurückblickt und zugleich zuversichtlich in die Zukunft schaut. Während das Repertoire jüdischer Volkslieder in Israel groß ist, fristet es hierzulande ein Schattendasein. Sharon Brauner und die heiter-ironischen Toy Goys setzen dem einen jiddischen Chansonabend entgegen (16.6.). Klassische Akzente setzt das Jewish Chamber Orchestra Munich unter Daniel Grossmann mit jüdischen Liedern und Weisen von Mieczysław Weinberg und Joel Engel sowie der eindrucksvollen Orchesterfassung von Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ (18.6.). Ins Wochenende geleiten Vera-Lotte Boecker und Daniel Behle mit einer Opern- und Operettengala, begleitet vom Münchner Rundfunkorchester, die Musik jüdischer Komponisten wie Ralph Benatzky, Giacomo Meyerbeer und Oscar Straus vor Ohren führt (19.6.).

Der jiddischen Liederabend von Sharon Brauner und ihren GoyBoys unterstreicht die Bedeutung des Festivalmottos „Mazel Tov“
Der jiddischen Liederabend von Sharon Brauner und ihren GoyBoys unterstreicht die Bedeutung des Festivalmottos „Mazel Tov“

In und mit der Stadt musizieren

Wie feine Wurzeln umspielen die wöchentlichen Prélude-Konzerte die großen sinfonischen Pfeiler. An öffentlichen Orten der Stadt musizieren die örtliche Musikschule ebenso wie die Blechbläser des BBC Symphony Orchestra, das am Samstagabend gemeinsam mit Lisa Batiashvili Magnus Lindbergs erstes Violinkonzert präsentiert.

Einige Jubilare feiern mit

Auch die dritte und vierte Woche glänzen mit solistischen Persönlichkeiten, die das Festivalmotto wie eine Fackel weitertragen und in seltenen Konstellationen aufeinandertreffen. Igor Levit eröffnet sein Rezital im Max-Littmann-Saal mit Ravels „Kaddisch“ (24.6.). Benjamin Appl und Martynas Levickis widmen sich im Kloster Maria Bildhausen in Münnerstadt der Musik des 20. Jahrhunderts und den Metropolen Wien, Paris, Berlin und New York. Isabelle Faust und das WDR Sinfonieorchester unter Christian Măcelaru richten mit Elsa Barraines „Les Tziganes“ den Blick auf eine weitere, in Europa vielfältig verwurzelte Musikkultur (28.6.). Mozarts 270. Geburtstag wird mehrfach gewürdigt; Rudolf Buchbinder interpretiert mit der Camerata Salzburg gleich drei seiner Klavierkonzerte (27.6.). Augustin Hadelich und Seong-Jin Cho beschließen mit Violinsonaten von Brahms, Beach, Janáček und Prokofjew.

Die Bamberger Symphoniker sind nur ein Toporchester unter vielen, die nach Bad Kissingen reisen
Die Bamberger Symphoniker sind nur ein Toporchester unter vielen, die nach Bad Kissingen reisen

Klassik und darüber hinaus

Die fünfte Woche eröffnet im Kurtheater eine Brecht-Revue des Berliner Ensembles mit Musik unter anderem von Hanns Eisler (7.7./8.7.), gefolgt von einem Brahms-Abend der Bamberger Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Jakub Hrůša. Lukas Sternath übernimmt den Solopart in Brahms’ anspruchsvollem zweitem Klavierkonzert. Mit dem Deutschen Symphonie-Orchester und dem Konzerthausorchester Berlin unter Kent Nagano beziehungsweise Joana Mallwitz sind zwei große Hauptstadtklangkörper zu Gast (10.7./11.7.); Mallwitz kombiniert Gershwins „An American in Paris“ und Mendelssohns Violinkonzert – Werke jüdischer Komponisten, die längst zum Kernrepertoire zählen. Mit Kurt Weills zweiter Sinfonie folgt eine selten gespielte Rarität.

Den krönenden Höhepunkt bildet das große Open-Air-Konzert: Sir Simon Rattle dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und zahlreiche Laienchöre des Freistaats in Carl Orffs „Carmina Burana“ auf dem Turnierplatz – ein musikalisches Fest zum 40-jährigen Jubiläum des Kissinger Sommers (12.7.).

Weltstar Cecilia Bartoli gestaltet mehrere Konzerte im der krönenden finalen Jubiläumswoche
Weltstar Cecilia Bartoli gestaltet mehrere Konzerte im der krönenden finalen Jubiläumswoche

Ein kleines Bartoli-Festival

In der finalen Zusatzwoche erwartet die Besucherinnen und Besucher eine hochkarätige Zugabe: Lisa Batiashvili interpretiert mit Weggefährten die kammermusikalische Fassung von Chaussons Konzert für Streichquartett und Orchester (15.7.), Alexander Malofeev gestaltet ein Solorezital Mit Musik von Schubert über Lourié bis Rachmaninow (18.7.), und Cecilia Bartoli setzt mit drei Abenden den Schlusspunkt: einem barocken Liederabend mit Les Musiciens du Prince Monaco (16.7.), einem Arienrezital mit David Fray (17.7.) sowie einer halbszenische Aufführung von Glucks „Orfeo ed Euridice“ (18.7.) – ein Finale, das sich auf sinnfällige Weise dem größten Sänger der griechischen Mythologie anvertraut.

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