Alle zwei Jahre rund um Christi Himmelfahrt wird Schaffhausen zum klingenden Treffpunkt für Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber aus nah und fern. Das Internationale Bachfest lädt ein zu fünf Tagen voller Musik, Begegnung und Inspiration. An stimmungsvollen Orten in der Stadt und in ihrer malerischen Umgebung entfalten zwölf Konzerte, Kantatengottesdienste und Kinderveranstaltungen die zeitlose Kraft von Johann Sebastian Bachs Musik, die von überwältigenden Chor- und Orchesterwerken bis hin zu berührenden Momenten in kleinen, intimen Besetzungen reicht.
Über die Musik hinaus lädt das Bachfest dazu ein, Schaffhausen mit allen Sinnen zu erleben. Die malerische Umgebung verbindet Kultur, Genuss und Natur: Stadt- und Museumsführungen eröffnen neue Blicke auf Geschichte und Kunst, Workshops begeistern Kinder für Kreativität und Musik, Weinverkostungen im Blauburgunderland laden zum Verweilen ein, und eine Schifffahrt zwischen Schaffhausen und dem Untersee schenkt unvergessliche Augenblicke in einer einzigartigen Landschaft längs des wilden Rheinfalls.

Akt der Versöhnung über nationale Grenzen hinweg
Gleichzeitig feiert die Internationale Bachgesellschaft Schaffhausen ihren 80. Geburtstag. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten im Jahr 1946 keine Geringeren als Benjamin Britten, Albert Schweitzer, Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Pablos Casals die Bachgesellschaft anlässlich des ersten Schaffhauser Bachfests. Die Gründungsidee bestand darin, Menschen aus ganz Europa im Zeichen der Musik Johann Sebastian Bachs als Akt der Versöhnung über nationale Grenzen hinweg zusammenzuführen.
Das Internationale Bachfest Schaffhausen steht für künstlerische Neugier, Mut zur Innovation und höchste musikalische Qualität. Auftragswerke, Uraufführungen und außergewöhnliche Konzertformate prägen sein unverwechselbares Profil. Immer wieder entstehen spannende Dialoge zwischen Bachs Musik und anderen Kunstformen von Jazz und Tanz bis hin zu Breakdance und elektronischer Musik. So wird das Bachfest zu einem lebendigen Ort, an dem Tradition und Gegenwart aufeinandertreffen und ein generationenübergreifendes Publikum begeistern.

Einzigartige Besetzungen an einzigartigen Spieltätten
Den Auftakt bildet das Vokal- und Instrumentalkollektiv Solomon’s Knot. Ohne Dirigent und mit höchster Risikobereitschaft locken die Solisten mit einer intensiven Bühnenpräsenz. Nach Auftritten bei den BBC Proms und internationalen Tourneen lassen sie in Schaffhausen Musik, Raum und Bewegung miteinander verschmelzen.
Weiter geht es im Stadttheater mit dem Gershwin Piano Quartet. Das ungewöhnliche, virtuos‑rhythmische Klavierensemble aus der Schweiz ist bekannt für seine einzigartige Besetzung mit vier Pianisten an vier Konzertflügeln. Einzigartig dürfte auch der Veranstaltungsort für „In your Hands“ sein: Im Gaswerkareal beleuchten das B’Rock Orchestra und die Tall Tales Company Bachs „Johannespassion“ zum 300. Geburtstag in einer elektrisierenden Kammerfassung neu und ergänzen sie mit Elektronik und Akrobatik. Exotische Klangfarben führen dann an die Küsten des Mittelmeers, wenn das Barockensemble Musica Sequenza das musikalische Erbe von Spanien bis Marokko mit Bachs Musik verbindet.

Cembalist Jean Rondeau ist Artist in Residence
Als Artist in Residence erweitert der französische Cembalist Jean Rondeau das künstlerische Spektrum des Festivals und eröffnet mit seinem feinsinnigen, zugleich unmittelbaren Spiel neue Perspektiven auf vertraute Werke. Im Fokus stehen die „Goldberg-Variationen“: Der Cembalostar widmet sich dem rätselhaften Meisterwerk in mehreren Konzerten. So treffen in der experimentellen Klangkreation „UNDR“ mit Tancrède Kummer Struktur, Improvisation und Poesie aufeinander und gemeinsam mit dem Quartett Nevermind wird Kammermusik zur hörbaren Freundschaft.
Noch weitere herausragende Persönlichkeiten bereichern das Internationale Bachfest Schaffhausen: Thomasorganist Johannes Lang, der kürzlich in Leipzig im Rahmen eines 22-stündigen Konzerts das gesamte Orgelwerk Bachs spielte, erweist dem Namensgeber des Festivals an historischer Stätte im Münster seine Referenz und stellt ihm Werke von neun weiteren Komponisten an die Seite. Alte-Musik-Spezialist Andrea Marcon, einer der großen Meister seines Fachs, lotet indes gemeinsam mit dem La Cetra Barockorchester und dem Vokalensemble Basel die groß angelegte emotionale Dimension der „Matthäuspassion“ aus.

Dona nobis pacem
Ein Höhepunkt verspricht das Konzert „Europe: Twelve Points!“ mit der Lautten Compagney Berlin zu werden: Zum 80-jährigen Bestehen des Bachfests und zum 70. Geburtstag des Eurovision Song Contest, der 1956 erstmals in Lugano stattfand, veranstaltet das Ensemble einen barocken Wettstreit, bei dem das Publikum selbst den Sieger kürt. Mit dem Freiburger Barockorchester und Vox Luminis unter der Leitung von Lionel Meunier schließlich erklingt Bachs „h-Moll-Messe“ auf höchstem Niveau. Und wenn die Friedensbotschaft des Schlusschorals „Dona nobis pacem“ zum Ende des Bachfests erstrahlt, leuchtet die Gründungsidee des Festivals, Menschen aus ganz Europa im Zeichen der Musik Johann Sebastian Bachs zusammenzuführen, einmal mehr mit bezwingendem Glanz auf.

