Frédéric Chopin gehört zu den bedeutendsten Komponisten und Pianisten der klassischen Musik. Kaum ein Komponist widmete seine Kunst so singulär einem einzelnen Instrument wie er dem Klavier; sein umfangreiches Schaffen wird selbst nach 200 Jahren nicht nur mit zahlreichen renommierten Wettbewerben und Festivals geehrt. Das Chopin-Festival der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald blickt auf eine mittlerweile acht Jahre lange Erfolgsgeschichte: Seit der Gründung im Jahr 2018 versteht sich das Festival als Plattform für Preisträger der wichtigsten Chopin-Wettbewerbe, als klingendes Schaufenster neuer Klaviertalente und berühmter Pianisten, deren Interpretationen von Chopins Werken bereits weltweit gefeiert wurden.
Ein Hamburger Eröffnungsreigen
Beim diesjährigen Eröffnungskonzert am 13.06. in der Laeiszhalle stehen Werke von acht Hamburger Komponisten und Komponistinnen auf dem Programm. Mit Musik aus über drei Jahrhunderten und auf verschiedenen Instrumenten begibt sich das Festival auf eine Reise quer durch die Klangwelt Chopins. Gemeinsam mit Hubert Rutkowski, künstlerischer Leiter des Festivals und Pianist, eröffnet Cellist Alexey Stadler das Auftaktkonzert mit einem virtuosen Salonstück Chopins, gefolgt von Brahms’ ausdrucksvoller Regenlied-Sonate mit dem Violinisten Abel Tomàs Realp und der Pianistin Emma Stratton.
In der zweiten Hälfte erklingen dann Klavierwerke von Carl Philipp Emanuel Bach (gespielt von Hồ Khánh Vân) und Johannes Adolph Hasse (mit Malte Henrik Gohr), Lieder von Gustav Mahler und Fanny Hensel (Talia Or, Sopran, und Olena Kushpler, Klavier) sowie eine Fantasie für unbegleitete Violine von Georg Philipp Telemann (Yunhe Tang, Violine), ehe der Abschluss des Abends mit Felix Mendelssohns brillanten „Variations concertantes“ (Niklas Schmidt, Violoncello, und Hubert Rutkowski, Klavier) noch einmal dem Cello gewidmet ist.

Meisterkurse und internationale Debüts
Neben den sieben Konzerten stehen auf dem Programm des diesjährigen Festivals auch zwei öffentliche Meisterkurse an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, bei denen Könner und Kenner gleichermaßen der aufsteigenden Generation an Pianisten und Pianistinnen beim Verfeinern ihrer Kunst zuschauen können. Außerdem gibt es eine Fortsetzung der 2023 ins Leben gerufenen Reihe internationaler Nachwuchskünstler im Rittelmeyer-Saal, bei der 2026 der 16-jährige japanische Pianist und Komponist Mugitaro sein Hamburger Debüt gibt. In seinem Programm begegnen eine virtuose Konzertetüde von Liszt und Chopins berühmte g-Moll-Ballade Gershwins Klassiker „Rhapsody in Blue“ sowie mehrere seiner eigenen Jazz-Arrangements klassischer Werke.
Historische Klangwelt hautnah
Auch in diesem Jahr wird es wieder Konzerte im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg geben, die seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des Festivals gehören. Der österreichische Pianist Martin Nöbauer musiziert dabei auf drei historischen Flügeln aus der Sammlung des Museums (auf einem Pleyel-Flügel von 1847, einem Wiener Hammerflügel von Joseph Brodmann, ca. 1815, sowie auf einem Schiedmayer-Hammerflügel, ca. 1801). Zwei frühe Beethoven-Sonaten, Mendelssohns monumentale „Variations sérieuses“ und natürlich eine Chopin-Ballade bringt der preisgekrönte junge Pianist und Spezialist für historische Aufführungspraxis hautnah auf den Instrumenten direkt aus der Zeit ihrer Komponisten zum Leben.

Bach-Legenden und Chopin-Preisträger
Ebenfalls im Museum für Kunst & Gewerbe spielen wird Evgeni Koroliov, der als eine der wichtigsten Klavierlegenden der Hansestadt überhaupt das Hamburger Musikleben der letzten Jahrzehnte geprägt hat. Für seine Interpretationen der Werke Johann Sebastian Bachs wurde er nicht nur vom Komponisten György Ligeti gelobt; beim diesjährigen Chopin-Festival spielt er ein musikalisch durchmischtes Programm mit Werken von Felix Mendelssohn, Brahms, Chopin und natürlich Johann Sebastian Bachs „Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll“. Außerdem spielt am 20. Juni Diana Cooper, Preisträgerin des letztjährigen Samson-François-Klavierwettbewerbs 2025, Werke von Beethoven, Felix Mendelssohn, Enrique Granados und Chopin. Das Abschlusskonzert des Festivals findet am 9. Juli mit einem Klavierabend des georgischen Pianisten David Khrikuli, Finalist der 19. Auflage 2025 des renommierten Chopin-Wettbewerbs Warschau, statt.

Sinfoniekonzert zum Mozart-Jahr
Ein in der Chopin-Welt ganz besonderes Konzert gibt es außerdem am 3. Juli im Forum der Hamburger Hochschule für Musik und Theater: Begleitet von den Hamburger Symphonikern unter der Leitung von Ulrich Windfuhr spielt Hubert Rutkowski zur Ehre des Mozart-Jahrs 2026 Mozarts magisches d-Moll-Klavierkonzert KV 466. Auf dem Programm stehen außerdem die berühmte „große“ g-Moll-Sinfonie KV 550 des Salzburgers sowie eine Auftragskomposition, „Firestarter“, der 1990 geborenen Komponistin Nina Deuse.
Insgesamt bietet die achte Auflage des nicht nur in der Hansestadt mittlerweile etablierten Chopin-Festivals Hamburg eine vielseitige und abwechslungsreiche Reise durch die Klangwelt Chopins und seiner Zeitgenossen. Bei den insgesamt sieben Konzerten führen renommierte Klavierlegenden und aufstrebende Nachwuchstalente die Musik Chopins auf historischen wie modernen Instrumenten durch dreihundert Jahre Musikgeschichte mitten in die musikalische Gegenwart.
Johannes Fischer

Brahms, Mahler und Fanny Hensel: Diese drei Hamburger Komponistengrößenprägten nicht nur das blühende Musikleben der Hansestadt im 19. Jahrhundert, alle einte auch die Liebe zur Musik des polnischen Komponisten Frédéric Chopin. Unter dem Motto „Hamburger Komponisten – ein Rendezvous mit Chopin“ ehrt die diesjährige, achte Auflage des Hamburger Chopin-Festivals die musikalischen Spuren seines Namensgebers in der reichen Musikgeschichte Hamburgs, von der barocken Oper am Gänsemarkt über Brahms im Gängeviertel bis hin zum Geschwisterpaar Felix und Fanny Mendelssohn.