Als „harte Nuß” bezeichnete der Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz die Gattung der Motette, die er seinen Schülern ans Herz legte. Wie fruchtbar dieser Rat war, zeigt das vorliegende Album, das eindrucksvoll vor Augen führt, wie reich die Motettentradition der Leipziger Thomaskantoren ist. Den Höhepunkt dieser Tradition bildet Johann Sebastian Bach, der in der Sammlung nicht fehlen darf und mit einem unbekannten Beitrag zur Gattung vertreten ist. Auch die weiteren Motetten sind Entdeckungen. Viele Thomaskantoren stehen im Schatten der großen Namen wie Sethus Calvisius und Johann Hermann Schein. Selbst eingefleischte Choristen dürften Werner Fabricius, Johann Schelle oder Johann Friedrich Doles kaum kennen. Noch seltener werden ihre Motetten aufgeführt. Das könnte sich jetzt ändern, denn das Ansinnen der Rheinischen Kantorei unter ihrem Leiter Edzard Burchards, ein Schlaglicht auf dieses Repertoire zu werfen, dürfte der Kirchenmusikszene wichtige Impulse geben. Dank kultivierten Chorklangs und eines feinen Gespürs für stilistische Unterschiede überzeugen sowohl Auswahl als auch Interpretation. Allein die Orgel klingt manchmal zu massiv in einem ansonsten leichtfüßigen Zugang zur barocken Mehrstimmigkeit.
Love & Devotion
Werke von J. S. Bach, Telemann, Knüpfer, Schelle, Hiller u. a.
Rheinische Kantorei, Edzard Burchards (Leitung)
cpo








