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Opern-Tipps im Oktober 2026: Das Künstlerdasein als Bühnenstoff

Wenn Dichter zu Helden werden

Schriftsteller und Künstler liefern nicht nur literarische Vorlagen und Libretti für die Oper. Manchmal wird das Leben des Künstlers selbst zum fesselnden Bühnenstoff.

vonPatrick Erb,

Das Privileg des Schriftstellers ist es, seine Kreativität zu Papier zu bringen. Ob Fiktion oder Wirklichkeit, Lyrik oder Prosa: Hinter dem Geschriebenen steht oft eine Persönlichkeit, die mindestens ebenso interessant ist. Komponisten machten sich das zunutze und verwandelten Dichter kurzerhand in Opernfiguren. Für das Musiktheater scheint dabei zu gelten, was Jules Verne einst formulierte: „Alles, was sich ein Mensch vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.“

Das Künstlerdrama par excellence ist „Hoffmanns Erzählungen“. Darin stürzt Offenbach seinen Titelhelden in eine Seins- und Schaffenskrise, indem er das Schicksal des Dichters mit Motiven aus dessen eigenen Erzählungen verwebt und ihn die tragisch scheiternden Liebschaften mit der Automatenpuppe Olympia, der todkranken Sängerin Antonia und der verführerischen Kurtisane Giulietta durchleben lässt. Wiesbaden widmet der Oper um den berühmten deutschen Erzähler nun eine Neuinszenierung.

Heute weit weniger bekannt ist der französische Lyriker André Chénier. Sein Werk blieb zu Lebzeiten bis auf wenige Ausnahmen ungedruckt, vieles infolge seines frühen Todes Fragment. Umso nachhaltiger bewegte die Nachwelt das tragische Schicksal des Künstlers, der der Grande Terreur der Französischen Revolution zum Opfer fiel – nur zwei Tage, bevor diese mit dem Sturz Robespierres endete. Umberto Giordano thematisiert in seiner Oper „Andrea Chénier“ die letzten Lebensjahre des Dichters und verknüpft dessen historisches Schicksal mit der fiktiven Liebe zur Aristokratin Maddalena, mit der er schließlich gemeinsam das Schafott besteigt. Eine seltene Gelegenheit, auch diese Oper einmal zu erleben, bietet nun Darmstadt, das John Dews für die Deutsche Oper Berlin entstandene Inszenierung übernimmt.

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Leben, Lieben und Leiden

Dante Alighieri wiederum zählt zu den bedeutendsten Gestalten der europäischen Kulturgeschichte: Er etablierte das Italienische als Literatursprache, während zahlreiche Topoi und Figuren seiner „Göttlichen Komödie“ Generationen von Literaten und Komponisten zu eigenen Werken anregten. Pascal Dusapin setzt sich in seiner Oper „Il viaggio, Dante“ mit dem Dichter auseinander, indem er Motive aus der „Göttlichen Komödie“ und der Jugendschrift „Das neue Leben“ zu einer inneren Reise durch Erinnerungen, Ängste und Sehnsüchte bis hin zur Hoffnung auf Erlösung verdichtet. Hannover übernimmt dafür Claus Guths Produktion vom Festival d’Aix-en-Provence.

Als ehrwürdige Vorgängerinstitution des Singer-Songwriters darf die spätmittelalterliche Meistersingerei gelten. Bürger, zumeist aus den traditionellen Handwerksberufen, schlossen sich zu zunftartigen Bünden zusammen, um ihrer Leidenschaft für Dichtung, Musik und Vortrag zu frönen – alles selbstverständlich nach strengen, noch dem Minnesang verpflichteten Regeln. Dass diese regelrechte Regelwut und ihre zunehmend rigide Auslegung jedem Streben nach künstlerischer Originalität diametral zuwiderliefen, rief wiederum Richard Wagner auf den Plan. In „Die Meistersinger von Nürnberg“ stellte er den geschichtlich verbürgten Persönlichkeiten der Nürnberger Bürgerschaft wie Hans Sachs und Hans Folz mit Beckmesser gleich noch die kleingeistige Karikatur zur Seite. Dass die Kreativität im Umgang mit den „Meistersingern“ ihrerseits keine Grenzen kennt, zeigte unlängst die Stuttgarter Inszenierung Elisabeth Stöpplers, in der der dichterische Schaffensprozess von so mancher surrealen Intervention begleitet wurde. In Düsseldorf erlebt der Klassiker nun eine vielversprechende Neuinszenierung mit Daniel Kramer als Regisseur und dem ausgewiesenen Wagnerkenner Axel Kober am Pult.

Zwei Blicke auf die Bohème

Mehr als jedes andere Werk steht Henri Murgers Roman „Scènes de la vie de bohème“, den Giacomo Puccini für seine „La bohème“ adaptierte, stellvertretend für Leben, Leiden und Lieben des brotlosen Künstlertums. Die vier Protagonisten sind Maler, Dichter, Musiker und Philosoph. Trotz bitterer Armut und zahlloser Entbehrungen bewahren sie sich ihren heiteren Sinn und ihre Schaffenskraft – bis die Liebe zwischen dem Dichter Rodolfo und der todkranken Mimì die Härte des Lebens offenlegt und den jungen Mann schließlich an ihr zerbrechen lässt. Während Puccinis Publikumsliebling allerorten die Spielpläne behauptet, präsentiert die Oper Graz demnächst neben dessen Werk auch die weit weniger bekannte Vertonung seines Landsmanns Ruggero Leoncavallo.















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