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Opern-Tipps Juli/August 2026: Festivals

Sonnencreme und Opernglas

Wenn die Theater in die Sommerpause gehen, verlagert sich das Operngeschehen auf die Festivals – vom reizvollen Geheimtipp bis zur glanzvollen Großproduktion, in der Nachbarschaft oder am Urlaubsort.

vonPatrick Erb,

Sommerzeit ist Festivalzeit. Das gilt für Frankreich wie Österreich, für Deutschland wie Italien. Wenn im örtlichen Opernhaus die letzte Verdi-Arie ins Feuerwerk überleitet und nach der Tanzgala die Spitzenschuhe ruhen, beginnt zwischen Freiluftbühne, Society-Ereignis und künstlerischem Ausnahmezustand die eigentliche Saison. Zwischen Opernblockbuster und Repertoirespezialität hat jedes Festival seine Signatur: Manche sind Ergänzung zum Sommerurlaub, andere der Reisegrund selbst. Eine kleine Tour durch Europas Festivallandschaft bietet sich also an.

Beginnen wir am Bodensee: Zur achtzigsten Ausgabe der Bregenzer Festspiele bringt Damiano Michieletto Verdis „La traviata“ erstmals auf die Seebühne. Nicht weniger reizvoll ist die Begleitproduktion im Festspielhaus, wo mit Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ eine selten gespielte tschechische Rarität erklingt. Die Titelrolle übernimmt Peter Hoare, Regie führt Yuval Sharon, der 2018 in Bayreuth etwa den „Lohengrin“ inszenierte. Aufsehenerregend startet Ted Huffman in seine erste Ausgabe als Intendant in Aix-en-Provence (2.7.–21.7.). Unter seiner Leitung widmet sich Barrie Kosky Richard Strauss’ monumentaler Märchenoper „Die Frau ohne Schatten“. Mit Michael Spyres, Vida Miknevičiūtė, Nina Stemme, Brian Mulligan und Ambur Braid reist dafür eine Topriege an die Côte d’Azur. Eine Besonderheit ist zudem das Aix-Debüt von Klaus Mäkelä, der sich nach längerer Opernabstinenz wieder dem Musiktheater zuwendet. Und weil Aix eine besondere Mozart-Affinität pflegt, kommt im Mozartjahr auch „Die Zauberflöte“ auf die Bühne: inszeniert von Clément Cogitore, dirigiert von Leonardo García-Alarcón.

Cineastisch spektakulär

Als Live-Ereignis wie als Fernsehproduktion begeistert die Oper im Steinbruch St. Margarethen seit dreißig Jahren als Oper zum Hinschauen und Hinhören – mit effektvollen Bildern, Choreografien und Stunts (15.7.–22.8.). Diesmal lässt Regisseur und Bühnenbildner Thaddeus Strassberger in seiner „Tosca“ Rom in opulenter barocker Pracht erstehen. Über Italiens Grenzen hinaus gilt das Rossini Opera Festival in Pesaro noch immer als Geheimtipp (11.8.–23.8.). Wer Dolce Vita, antike Architektur, Strandspaziergang, Kulinarik und abendliches Kulturerlebnis verbinden möchte, ist in Rossinis Heimatstadt bestens aufgehoben. Rossini-Enthusiast sollte man freilich sein: Auf dem Programm stehen vor allem Raritäten wie „La scala di seta“, „Le Siège de Corinthe“ und „L’occasione fa il ladro“.

Auch die Region um Danzig hat mit dem Baltic Opera Festival einiges zu bieten (2.7.–7.7.). In Sopot erhebt sich die Waldoper als „Bayreuth des Nordens“ über der Danziger Bucht. Seit ihrer Eröffnung 1909 standen dort immer wieder Wagners Werke im Fokus, so auch 2026, wenn „Die Walküre“ auf der 5 000 Zuschauer fassenden Freiluftbühne zu erleben ist. Den Wotan singt Intendant Tomasz Konieczny selbst. Zudem steht im Danziger Stadttheater die polnische Erstaufführung von Joseph Beers Operette „Die polnische Hochzeit“ an. Ein Besuch der alten und zugleich umtriebigen Altstadt lohnt also auch musikalisch.

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Gut zu erreichende Festivals

Wen es nicht in die Ferne zieht, der findet in Heidenheim exzellente italienische Opernkunst: Bei den Opernfestspielen stehen mit „Otello“ und „Macbeth“ zwei dramatische Shakespeare-Opern Verdis auf dem Programm (26.6.–26.7.). Am Pult beider Produktionen steht Marcus Bosch, der seit 2010 in seiner Heimatstadt die künstlerische Leitung innehat und zwischen Festspielhaus und Schloss Hellenstein immer wieder Überraschungen ermöglicht.

Ein Hingucker ist das Festspielhaus in der Tiroler Gemeinde Erl nicht erst, seit Jonas Kaufmann 2024 die Zügel übernommen hat. Von München aus gut erreichbar, überzeugt Erl mit einem klugen Doppelkonzept aus Klassikern und speziellen Opernprojekten. Im Sommer zeigt das Festival Wagners „Der fliegende Holländer“ mit Christopher Maltman in der Titelrolle sowie einen ungewöhnlichen Doppelabend: Hector Berlioz’ „Cléopâtre“, eine Kantate über die letzten Minuten der ägyptischen Königin, trifft auf Puccinis „Suor Angelica“, in der die Titelheldin an enttäuschter Sehnsucht zerbricht und zum Gifttrank greift. Tief religiös, zählt der lyrische Einakter zu Puccinis bewegendsten Werken (2.7.–26.7.).

In Österreich begonnen, endet die Tour auch wieder dort. Über den Sommer hinweg stehen die Salzburger Festspiele für größtmögliche musikalische Exzellenz und Glanzlichter des Musiktheaters; eine angemessene Würdigung fällt fast so schwer wie die Wahl des passenden Reisetermins. In Mozarts Geburtsstadt gilt daher umso mehr: Hinhören lohnt sich.

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