Wie wär’s mit einer Deutschlandreise in Operndingen – quer durch die Republik, eine ganze Spielzeit lang, zu zehn spannenden Neuinszenierungen? Die Premieren finden an Opernhäusern statt, die für jene fantastische Vielfalt eines föderalen Systems stehen, um die der Rest der Opernwelt uns beneidet: Es geht nach Weimar wie nach München, nach Hildesheim wie in die Hauptstadt. Denn Qualität, Kreativität und Innovationsfreude sind kein Vorrecht der Branchenführer in den Großstädten. Das Herz deutscher Opernhäuser schlägt gerade in jenen Stadttheatern, deren Budget begrenzt ist, deren Anspruch, nah am Publikum Relevantes auf die Bühne zu bringen, jedoch eindrucksvoll eingelöst wird.
Regiebohrung in politische Tiefenschichten
Los geht’s am 26. September in Berlin, wo an der Staatsoper Unter den Linden „La Vestale“ von Gaspare Spontini die Saison eröffnet. 1807 in Paris als Sensation aus der Taufe gehoben, wurde sie zu einer der erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts. In ihrer Inszenierung spürt Lydia Steier den Mechanismen eines autokratischen Regimes nach. Starsopranistin Sonya Yoncheva singt die Titelpartie. Richard Wagner wurde durch die starken Effekte des Stücks geprägt. Und so geht es am 11. Oktober an die Deutsche Oper am Rhein.
In Düsseldorf wird der amerikanische Regisseur Daniel Kramer in einer opulenten Produktion von „Die Meistersinger von Nürnberg“ den Gleichnischarakter der komischen Oper herausarbeiten und das Bild einer Gesellschaft zeichnen, deren Ordnung ideologisch aufgeladen ist. Um vom reifen zum jugendlichen Revoluzzer Wagner zu gelangen, geht es zurück nach Berlin an die Deutsche Oper, wo sich am 24. Oktober der Theatermacher Milo Rau erstmals an den Gesamtkunstwerker wagt, um „Der fliegende Holländer“ als Ausgangspunkt für eine Regiebohrung in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen.
Rossinis „Guillaume Tell“ im Licht der kriegerischen Gegenwart
An der Bayerischen Staatsoper in München setzt Tobias Kratzer am 29. Oktober seine Befragung des „Ring“ mit dem „Siegfried“ fort, um der Erforschung des Religiösen im Politischen weitere Facetten abzugewinnen. Mit Spannung erwartet wird auch das Rollendebüt des Tenors Benjamin Bruns in der Titelpartie. Zurück in Hamburg wird Kratzer seine bildstarke Deutung von Rossinis „Guillaume Tell“, die er zuerst für Lyon erarbeitete, am 24. Januar im Licht der kriegerischen Gegenwart schärfen – als Parabel für eine kultivierte, liberale Gesellschaft, deren Ideale durch äußere Gewalt herausgefordert werden. Auch im alten Rom griffen Machtkämpfe und Ohnmacht, Erniedrigung, Begehren eng ineinander. Am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen wird Mozarts „La clemenza di Tito“ am 5. Februar von Krystian Lada inszeniert.
Am Mainfranken Theater Würzburg wird GMD Mark Rohde in seiner zweiten Spielzeit am 6. Februar Wagners „Tannhäuser“ herausbringen, Andreas Rosar, der zuletzt Regisseuren bei den Bayreuther Festspielen zur Seite stand, wird inszenieren. Just im Mekka der Wagnerpflege stellte Valentin Schwarz seine „Ring“-Deutung zur Diskussion. Nun bringt er, nachdem „Parsifal“ lange nicht mehr in Weimar zu erleben war, das Bühnenweihfestspiel am 20. März ans Deutsche Nationaltheater zurück, wo er als Chefregisseur wirkt. Am Theater für Niedersachsen kommt am 27. März die Shakespeare-Oper „Viel Lärm um nichts“ von Charles Villiers Stanford heraus. Der „irische Dvořák“ wurde für seine 1901 in London uraufgeführte Oper wegen ihrer melodiensatten Treue gegenüber der literarischen Vorlage gerühmt. Matthias von Stegmann inszeniert. Der „Wagner-Kosmos“ des Theater Dortmund strahlt längst bis nach Bayreuth aus. Als Höhepunkt der kommenden Ausgabe bringt Neil Barry Moss am 22. Mai seine Inszenierung des „Tannhäuser“ heraus.
Termintipp
Sa., 26. September 2026 18:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Spontini: La Vestale
Marina Prudenskaya (La Grande Vestale), Sonya Yoncheva (Julia), David Butt Philip (Licinius), Siyabonga Maqungo (Cinna), Adrian Sâmpetrean (Le Souverain Pontife), Hanseong Yun (Un Consul), Carlo Rizzi (Leitung), Lydia Steier (Regie)
Termintipp
Sa., 03. Oktober 2026 18:00 Uhr
Musiktheater
Spontini: La Vestale
Marina Prudenskaya (La Grande Vestale), Sonya Yoncheva (Julia), David Butt Philip (Licinius), Siyabonga Maqungo (Cinna), Adrian Sâmpetrean (Le Souverain Pontife), Hanseong Yun (Un Consul), Carlo Rizzi (Leitung), Lydia Steier (Regie)
Sa., 17. Oktober 2026 17:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Axel Kober (Leitung), Daniel Kramer (Regie)
So., 01. November 2026 15:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Axel Kober (Leitung), Daniel Kramer (Regie)
Sa., 24. Oktober 2026 18:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Der fliegende Holländer
Tomasz Konieczny (Der Holländer), Tareq Nazmi (Daland), Aušrine Stundytė (Senta), Attilio Glaser (Erik), Kai Rüütel-Pajula (Mary), Omar Mancini (Steuermann Dalands), Giedrė Šlekytė (Leitung), Milo Rau (Regie), Shlomi Moto Wagner (Rezitation)
Mi., 28. Oktober 2026 19:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Der fliegende Holländer
Tomasz Konieczny (Der Holländer), Tareq Nazmi (Daland), Aušrine Stundytė (Senta), Attilio Glaser (Erik), Kai Rüütel-Pajula (Mary), Omar Mancini (Steuermann Dalands), Giedrė Šlekytė (Leitung), Milo Rau (Regie), Shlomi Moto Wagner (Rezitation)
Termintipp
Do., 29. Oktober 2026 16:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Siegfried
Benjamin Bruns (Siegfried), Matthias Klink (Mime), Nicholas Brownlee (Wanderer), Simone Schneider (Brünnhilde), Georg Nigl (Alberich), Timo Riihonen (Fafner), Vladimir Jurowski (Leitung), Tobias Kratzer (Regie)
Termintipp
So., 01. November 2026 16:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Siegfried
Benjamin Bruns (Siegfried), Matthias Klink (Mime), Nicholas Brownlee (Wanderer), Simone Schneider (Brünnhilde), Georg Nigl (Alberich), Timo Riihonen (Fafner), Vladimir Jurowski (Leitung), Tobias Kratzer (Regie)
So., 24. Jänner 2027 18:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Rossini: Guillaume Tell
Jacques Imbrailo (Guillaume Tell), Lawrence Brownlee (Arnold Melchtal), Lisette Oropesa (Mathilde), Walther Gurst (Tigran Martirossian), Narea Son (Jemmy), Alexander Roslavets (Gesler), Colin Aikins (Rodolphe), Susanna Mälkki (Leitung), Tobias Kratzer (Regie)
Mi., 27. Jänner 2027 19:00 Uhr
Musiktheater
Rossini: Guillaume Tell
Jacques Imbrailo (Guillaume Tell), Lawrence Brownlee (Arnold Melchtal), Lisette Oropesa (Mathilde), Walther Gurst (Tigran Martirossian), Narea Son (Jemmy), Alexander Roslavets (Gesler), Colin Aikins (Rodolphe), Susanna Mälkki (Leitung), Tobias Kratzer (Regie)
Fr., 05. Feber 2027 19:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Mozart: La clemenza di Tito
John Warner (Leitung), Krystian Lada (Regie)
So., 14. Feber 2027 16:00 Uhr
Musiktheater
Mozart: La clemenza di Tito
John Warner (Leitung), Krystian Lada (Regie)
Sa., 20. März 2027 16:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Parsifal
Daniel Carter (Leitung), Valentin Schwarz (Regie)
Fr., 26. März 2027 16:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Parsifal
Daniel Carter (Leitung), Valentin Schwarz (Regie)
Sa., 06. Feber 2027 18:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Mark Rohde (Leitung), Andreas Rosar (Regie)
So., 21. Feber 2027 15:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Mark Rohde (Leitung), Andreas Rosar (Regie)
Sa., 27. März 2027 19:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Stanford: Viel Lärm um nichts
Gabrielė Jocaitė (Hero), Marlene Mesa (Beatrice), Andrey Andreychik (Don Pedro), Tobias Hieronimi (Don John), Sergei Kiselev (Leitung), Matthias von Stegmann (Regie)
Do., 01. April 2027 19:30 Uhr
Musiktheater
Stanford: Viel Lärm um nichts
Gabrielė Jocaitė (Hero), Marlene Mesa (Beatrice), Andrey Andreychik (Don Pedro), Tobias Hieronimi (Don John), Sergei Kiselev (Leitung), Matthias von Stegmann (Regie)
Sa., 22. Mai 2027 16:00 Uhr
Premiere
Musiktheater
Wagner: Tannhäuser
Jordan de Souza (Leitung), Neil Barry Moss (Regie)
So., 30. Mai 2027 16:00 Uhr
Musiktheater
Wagner: Tannhäuser
Jordan de Souza (Leitung), Neil Barry Moss (Regie)




