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Opern-Feuilleton: Premieren-Highlights der Saison 2026/27

Machtspiele von Weimar bis München

Diese zehn erfolgversprechenden Opernpremieren der Spielzeit 2026/27 sind eine Reise innerhalb Deutschlands absolut wert.

vonPeter Krause,

Wie wär’s mit einer Deutschlandreise in Operndingen – quer durch die Republik, eine ganze Spielzeit lang, zu zehn spannenden Neuinszenierungen? Die Premieren finden an Opernhäusern statt, die für jene fantastische Vielfalt eines föderalen Systems stehen, um die der Rest der Opernwelt uns beneidet: Es geht nach Weimar wie nach München, nach Hildesheim wie in die Hauptstadt. Denn Qualität, Kreativität und Innovationsfreude sind kein Vorrecht der Branchenführer in den Großstädten. Das Herz deutscher Opernhäuser schlägt gerade in jenen Stadttheatern, deren Budget begrenzt ist, deren Anspruch, nah am Publikum Relevantes auf die Bühne zu bringen, jedoch eindrucksvoll eingelöst wird.

Regiebohrung in politische Tiefenschichten

Los geht’s am 26. September in Berlin, wo an der Staatsoper Unter den Linden „La Vestale“ von Gaspare Spontini die Saison eröffnet. 1807 in Paris als Sensation aus der Taufe gehoben, wurde sie zu einer der erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts. In ihrer Inszenierung spürt Lydia Steier den Mechanismen eines autokratischen Regimes nach. Starsopranistin Sonya Yoncheva singt die Titelpartie. Richard Wagner wurde durch die starken Effekte des Stücks geprägt. Und so geht es am 11. Oktober an die Deutsche Oper am Rhein.

In Düsseldorf wird der amerikanische Regisseur Daniel Kramer in einer opulenten Produktion von „Die Meistersinger von Nürnberg“ den Gleichnischarakter der komischen Oper herausarbeiten und das Bild einer Gesellschaft zeichnen, deren Ordnung ideologisch aufgeladen ist. Um vom reifen zum jugendlichen Revoluzzer Wagner zu gelangen, geht es zurück nach Berlin an die Deutsche Oper, wo sich am 24. Oktober der Theatermacher Milo Rau erstmals an den Gesamtkunstwerker wagt, um „Der fliegende Holländer“ als Ausgangspunkt für eine Regiebohrung in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen.

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Rossinis „Guillaume Tell“ im Licht der kriegerischen Gegenwart

An der Bayerischen Staatsoper in München setzt Tobias Kratzer am 29. Oktober seine Befragung des „Ring“ mit dem „Siegfried“ fort, um der Erforschung des Religiösen im Politischen weitere Facetten abzugewinnen. Mit Spannung erwartet wird auch das Rollendebüt des Tenors Benjamin Bruns in der Titelpartie. Zurück in Hamburg wird Kratzer seine bildstarke Deutung von Rossinis „Guillaume Tell“, die er zuerst für Lyon erarbeitete, am 24. Januar im Licht der kriegerischen Gegenwart schärfen – als Parabel für eine kultivierte, liberale Gesellschaft, deren Ideale durch äußere Gewalt herausgefordert werden. Auch im alten Rom griffen Machtkämpfe und Ohnmacht, Erniedrigung, Begehren eng ineinander. Am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen wird Mozarts „La clemenza di Tito“ am 5. Februar von Krystian Lada inszeniert.

Am Mainfranken Theater Würzburg wird GMD Mark Rohde in seiner zweiten Spielzeit am 6. Februar Wagners „Tannhäuser“ herausbringen, Andreas Rosar, der zuletzt Regisseuren bei den Bayreuther Festspielen zur Seite stand, wird inszenieren. Just im Mekka der Wagnerpflege stellte Valentin Schwarz seine „Ring“-Deutung zur Diskussion. Nun bringt er, nachdem „Parsifal“ lange nicht mehr in Weimar zu erleben war, das Bühnenweihfestspiel am 20. März ans Deutsche Nationaltheater zurück, wo er als Chefregisseur wirkt. Am Theater für Niedersachsen kommt am 27. März die Shakespeare-Oper „Viel Lärm um nichts“ von Charles Villiers Stanford heraus. Der „irische Dvořák“ wurde für seine 1901 in London uraufgeführte Oper wegen ihrer melodiensatten Treue gegenüber der literarischen Vorlage gerühmt. Matthias von Stegmann inszeniert. Der „Wagner-Kosmos“ des Theater Dortmund strahlt längst bis nach Bayreuth aus. Als Höhepunkt der kommenden Ausgabe bringt Neil Barry Moss am 22. Mai seine Inszenierung des „Tannhäuser“ heraus.





















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