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Erasmus klingt! – Festival LAB 2026

Vom 6. bis 13. September 2026 lädt das Festival „Erasmus klingt! – Festival LAB“ zu einer Reise durch die Musikgeschichte und europäische Ideenräume ein.

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Ein europäischer Kulturraum voller Austausch, Mobilität und gegenseitiger Einflüsse war bereits im 16. Jahrhundert Realität. Und so bewegte sich auch Erasmus von Rotterdam zwischen Städten, Sprachen und intellektuellen Netzwerken, lange bevor Europa nationalstaatlich organisiert war. Er reiste zwischen Basel, Paris, London und Venedig, schrieb unzählige Briefe, suchte Drucker, traf Gelehrte, führte Debatten. Festen Zugehörigkeiten misstraute er ebenso wie geistigem Stillstand. An diese rastlose Existenz knüpft „Erasmus klingt! – Festival LAB“ an. Unter dem Titel „Viaggio“ widmet sich die Basler Biennale den Wegen von Ideen, Menschen und Musik.

Die historische Altstadt Basels wird dabei zum Resonanzraum einer Epoche, in der Europa bereits durch Bücher, Ideen und Musik miteinander verbunden war. Im Zentrum steht Erasmus von Rotterdam. Der Universalgelehrte lebte, arbeitete und starb in Basel und seine rastlose Biografie wirkt heute noch erstaunlich aktuell. Erasmus war kein Stubengelehrter im Elfenbeinturm. Seine Briefe erzählen von Grenzübertritten, Unsicherheiten, Neugier und dem Wunsch, die Welt durch Bildung und Verständigung zusammenzuhalten.

The Constellation Choir und John Eliot Gardiner eröffnen das Festival „Erasmus klingt! – Festival LAB“
The Constellation Choir und John Eliot Gardiner eröffnen das Festival „Erasmus klingt! – Festival LAB“

Kultur als Bewegung und Austausch

Genau dort setzt das Festival an. „Viaggio“ meint nicht nur das Reisen im geografischen Sinn, sondern auch innere Bewegung: Bildung als Weg, Musik als Begegnung, Kultur als Austausch. Diese programmatische Idee wird konsequent umgesetzt und Erasmus’ Denken durch Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Stadtführungen und wissenschaftliche Veranstaltungen in Bewegung versetzt. Dass daran Institutionen wie die Universität Basel, die Schola Cantorum Basiliensis und zahlreiche Basler Kulturhäuser beteiligt sind, unterstreicht den interdisziplinären Anspruch des Festivals.

Musikalisch spannt das Programm einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Schon das Eröffnungskonzert in der Martinskirche (6.9.) hat symbolische Kraft. John Eliot Gardiner und The Constellation Choir widmen sich der Via Francigena, jener mittelalterlichen Pilgerroute von Canterbury nach Rom. Geistliche Musik aus England, Frankreich und Italien wird hier selbst zur klingenden Pilgerreise.

Die Sopranistin Julia Lezhneva widmet sich im Konzert „Auf Reisen“ den sogenannten „Koffer-Arien“
Die Sopranistin Julia Lezhneva widmet sich im Konzert „Auf Reisen“ den sogenannten „Koffer-Arien“

Handgepäck der Oper: Mobile Klangwelten des Barock

Das Festival lebt von solchen klugen Verbindungslinien. Wenn Il Giardino Armonico (7.9.) unter der Leitung von Giovanni Antonini die Musiklandschaft Oberitaliens zur Zeit Monteverdis erkundet, geht es nicht nur um historische Aufführungspraxis, sondern um die Frage, wie Ideen sich verbreiten. Dasselbe gilt für „Carmina Latina“ (8.9.) mit Leonardo García-Alarcón und der Cappella Mediterranea. Das Konzert zeichnet nach, wie europäische Sakralmusik in Lateinamerika auf lokale Traditionen traf und dabei etwas Neues entstehen ließ. Der historische Hintergrund des Kolonialismus bleibt dabei ausdrücklich präsent.

Zu den originellen Einfällen der Festival-Planer gehört auch das Programm „Auf Reisen“ (9.9.), das sich den sogenannten „Koffer-Arien“ widmet. Im Barock reisten Sängerinnen und Sänger mit ihren persönlichen Erfolgsstücken von Bühne zu Bühne, sozusagen mit dem musikalischen Handgepäck einer mobilen Opernwelt. Die Sopranistin Julia Lezhneva bringt mit der ihr eigenen Virtuosität einen Abend über Eitelkeit, Konkurrenz und die internationale Glamourwelt des 18. Jahrhunderts zum Strahlen.

VOCES8 überschreitet mit seinem Programm „Metropolis“ geografische, historische und kulturelle Grenzen
VOCES8 überschreitet mit seinem Programm „Metropolis“ geografische, historische und kulturelle Grenzen

Austausch und Konflikt

Hinter dem Konzert „Abendmusiken“ (10.9.) steht ebenfalls eine Geschichte. Es erinnert an die legendären Lübecker Aufführungen von Dieterich Buxtehude, zu denen der junge Johann Sebastian Bach einst mehr als 400 Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben soll. Auch VOCES8 überschreitet mit seinem Programm „Metropolis“ (12.9.) Grenzen – geografische, historische und kulturelle, um die engen Verbindungen zwischen Komponisten und den Städten ihres Wirkens sichtbar zu machen. Zugleich verweist es auf die Identität des in London beheimateten Vokalensembles, das von dort aus musikalische Brücken zwischen Zeiten und Kulturen schlägt.

Dabei bleibt das Festival offen für Widersprüche. Es feiert den kulturellen Austausch, ohne historische Konflikte zu romantisieren. Das Programm „Hexen, Jungfrauen und Verräter“ (11.9.) zeigt etwa, wie religiöse Ängste und dämonische Vorstellungen quer durch Europa zirkulierten. Und auch das Abschlussprojekt „La Critica“ (13.9.), in dem eine Seconda Donna, die sich als Französin ausgibt, ehrgeizige Virtuosen, reisende Dichter und Impresarios vorkommen, wird nicht bloß als Kuriosität präsentiert. Vielmehr erscheint die Opernsatire von Niccolò Jommelli als Spiegel einer frühen europäischen Kulturindustrie, in der Künstler, Sängerinnen und Impresarios selbstverständlich zwischen Ländern, Sprachen und Stilen pendelten.

Autoren wie Alain Claude Sulzer erweitern das Spektrum von „Erasmus klingt! – Festival LAB“
Autoren wie Alain Claude Sulzer erweitern das Spektrum von „Erasmus klingt! – Festival LAB“

Literatur als Resonanzraum für „Erasmus klingt!“

Auch Literatur und Reflexion sind ein wichtiger Bestandteil von „Erasmus klingt!“. Autorinnen und Autoren wie Alain Claude Sulzer, Ilija Trojanow oder Elke Schmitter weiten mit ihren Stimmen den Festivalgedanken aus, wobei in der Verbindung von Musik, Geistesgeschichte und Gegenwartsdebatte immer wieder die Frage aufscheint, was Europa kulturell eigentlich bedeutet.

So wirkt ein Humanist des 16. Jahrhunderts – Erasmus von Rotterdam, der rastlose Briefeschreiber, Grenzgänger und Vermittler – plötzlich erstaunlich modern. Seine Welt war geprägt von politischen Spannungen, religiösen Konflikten und gesellschaftlichen Umbrüchen. Dennoch glaubte er an die Kraft des Gesprächs, der Bildung und des kulturellen Austauschs. Von diesem Glauben wird auch „Erasmus klingt!“ getragen und lädt vom 6. bis 13. September 2026 zu einer Reise durch die Musikgeschichte und europäische Ideenräume ein.

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